Konkurrenz

Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland hat in Art. 9 Abs. 3 verankert, daß es für jedermann und für alle Berufe gewährleistet ist, Vereinigungen zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen zu bilden.

Dieses Vereinigungsrecht - auch als Koalitionsrecht bezeichnet - hat seinen historischen Ursprung in der Gewerbeordnung des Norddeutschen Bundes und war 1869 dann von den Arbeitern konzediert worden. So rasch wie die Industriealisierung wuchsen auch die Gewerkschaften. Zwar versuchten die Regierungen, die Gewerkschaftsbewegung einzudämmen, aber durch ihre Streikerfolge gelang es ihr sogar, auch daß Bismarcksche Sozialistengesetz zu überwinden. Da die Arbeitgeber im vorigen Jahrhundert gegenüber den Arbeitern eine übermächtige Stellung hatten, mußten sich die Gewerkschaften zu größeren Organisationseinheiten zusammenschließen und schufen deshalb 1892 das System der nach dem Berufsprinzip aufgebauten Zentralverbände, die in einer Zentralkommission zusammengefaßt wurden.

Dieser klassenkämpferische Geist - sicher vor 100 Jahren eine für das Ringen mit den Arbeitgebern notwendige Einstellung - findet sich heute noch in Veröffentlichungen des DGB:

"Eine Gewerkschaft muß anstreben, ausnahmslos alle abhängig Beschäftigten in den Betrieben und Verwaltungen zu organisieren. In den eigenen Reihen sollen keine konkurrierenden Organisationen zugelassen werden."

Die ÖTV- Vorgängerorganisation von verdi formuliert diese Aussage noch drastischer:

"Wer unter Hinweis auf gewerkschaftliche Pluralität Standesverbände (Anm.: das sind im Sprachgebrauch der ÖTV die dbb-gewerkschaften) fördert, wer also die Absicht hat, die Einheitsgewerkschaft zu spalten oder zu zerschlagen, der gefährdet die demokratische Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland und zerstört die Grundlage für eine an sozialstaatlichen Grundsätzen ausgerichtete Interessenvertretung der Arbeitnehmer."

Doch wir leben jetzt Ende des 20. Jahrhunderts. Nicht nur die Arbeitsbedingungen haben sich revolutionär verändert, auch der Arbeitsplatz wird zunehmend individualisiert. Dies aber hat zur Folge, daß Gewerkschaftsarbeit sich immer mehr auf Probleme vor Ort, die in jedem Bereich grundlegend anders gelagert sind, konzentrieren muß.

Aus dieser Erkenntnis heraus wird die gewerkschaftliche Existenz der komba-gewerkschaft immer zwingender und für die Arbeitnehmer in Kommunen und Kommunalverbänden zur Lösung ihrer speziellen Probleme immer notwendiger. Die gewerkschaftspolitischen Zielvorstellungen von verdi - sie erhebt nach dem Prinzip "ein Betrieb = eine Belegschaft = eine Gewerkschaft" einen Alleinvertretungsanspruch - stützen sich auf die Annahme, daß sich Interessen leichter durchsetzen lassen, je geschlossener die vertretene Gruppe auftritt. Dieses Argument ist auf den ersten Blick überzeugend, aber nur auf den ersten Blick.

Denn zwangsläufig ist mit der Geschlossenheit verbunden, daß gegenüber den Arbeitgebern nur eine Meinung vertreten wird. Jedoch zeichnet sich der öffentliche Dienst gerade durch eine hohe Anzahl von Einzelinteressen aus und ist durch eine sehr große Anzahl von unterschiedlichen Berufsgruppen zu definieren. Es gibt zwar einige Dinge, die gemeinschaftlich für alle Berufsgruppen durchzusetzen sind; aber die Vielzahl der Probleme ist unterschiedlich. Diese Problemvielfalt wird durch eine nicht mehr zeitgemäße Gleichmacherei im Keime erstickt. Die unselige Gleichmacherei in verdi und DGB geht einher mit einer zentral gelenkten Organisation. Dies hat bereits innerhalb des DGB zu einer massiven Kritik geführt. Die Orts- und Landesverbände im DGB wollen aus der Gängelei des Dachverbandes heraus und verlangen mehr Kompetenzverlagerung nach unten. Gerade die Ortsverbände spüren die Kritik am deutlichsten und werden von den Mitgliedern direkt attackiert. Die komba-gewerkschaft braucht solche Überlegungen nicht anzustellen, da sie den gewerkschaftlichen Demokratisierungsprozeß immer von unten nach oben definiert hat. Klar ist, daß auch die komba-gewerkschaft eine Dachorganisation für die Lösung der Probleme braucht, die für alle Arbeitnehmer gleich sind. Sie hat ihre Dachorganisation im dbb. Doch die Probleme vor Ort gehören alleine in die Zuständigkeit der Ortsverbände der komba-gewerkschaft, die diese in alleiniger Zuständigkeit lösen. Es gibt darüber hinaus noch einen psychologischen Grund, warum man den Alleinvertretungsanspruch von verdi strikt zurückweisen muß. Keine konkurrierenden Gewerkschaften bedeutet, daß die Gewerkschaftsvertreter sich nicht mehr mit Konkurrenzideen auseinandersetzen müssen. Sie werden lethargisch und lassen die Dinge laufen. Dies führt letzten Endes zu einer Schwächung der Gewerkschaften. Besonders gefährlich würde dies in Zukunft für die Arbeitnehmer des öffentlichen Dienstes werden, da beim forcierten Privatisierungsvorhaben der öffentlichen Arbeitgeber die Gefahr bestünde, daß eine erlahmte Arbeitnehmervertretung nicht mehr zu reparierende Zugeständnisse machen würde. Dieser Gefahr kann nur durch Gewerkschaftspluralismus begegnet werden. Der Alleinvertretungsanspruch richtet sich daher gegen die Interessen der Beschäftigten im öffentlichen Dienst.

„Nun gut“

so mögen Sie nun sagen, "Gewerkschaftspluralismus überzeugt mich. Aber warum soll ich nun gerade in die komba eintreten und nicht in die verdi?"

Hier ein paar grundsätzliche Argumente:

  • Unsere individuellen Leistungen wie Rechtsberatung, Rechtsschutz, Fortbildung, Information, Versicherungs- und Reiseservice sind mindestens ebenso gut wie die anderer Gewerkschaften.
  • Unsere Beiträge entsprechen unserem Aufwand. Gewerkschaftsarbeit wird in der komba fast ausschließlich ehrenamtlich geleistet. Managergehälter gibt es nicht. Und die Beiträge werden nur für satzungsmäßige Ausgaben verwendet.
  • Die ehrenamtliche Wahrnehmung der Gewerkschaftsarbeit von Kollegen, die unmittelbar im Arbeitsprozeß stehen, garantiert, daß sich unsere Forderungen hart am Interesse der Mitglieder orientieren. Sie garantiert eine persönliche Betreuung, wie sie von hauptberuflichen "Funktionären" nicht geleistet werden kann.
  • Wir setzen uns wirklich für den gesamten öffentlichen Dienst, und alle hierin vorkommenden Berufsgruppen ein und bekämpfen nicht wie die verdi das Berufsbeamtentum.
  • Die komba handelt auch gegenüber den Arbeitgebern sachlich, fair und ehrlich. Spektakel und Show-Geschäfte, die nur dazu dienen, die Öffentlichkeit auf sich zu lenken, lehnen wir ab.
  • Wir beraten und unterstützen die Personalräte. Wir lehnen aber eine gewerkschaftliche Gängelung ab.
  • Wir handeln schnell und ersticken nicht in Bürokratie