RESPEKT miteinander wird ein Ganzes draus -

Eine Überschrift zum Aussuchen….

Schon begegnet?
Nebenan klopfen!
Ehrlich währt am Längsten.

Wie der Mensch – so die Welt
Wer kennt es nicht?

oder:

Die Re- und Neuorganisation von Verwaltung

Das Arschloch

Ein Körper der hatte Langeweile,
da stritten sich die Körperteile
sehr heftig und mit viel Geschrei,
wer wohl der Chef von ihnen sei.

"Natürlich ich", sprach das Gehirn,
"ich sitz ganz oben hinter der Stirn,
bin stets am denken und muss euch leiten.
Ich bin Nummer eins, wer will‘s bestreiten?"

Die Beine riefen halb im Spaße:
"Gib nicht so an du Wabbelmasse.
Durch uns kann sich der Mensch erst regen
sich umtun und nach vorn bewegen.
Ein Mädchenbein den Mann erregt,
der Mensch wirkt durch uns erst groß,
ganz ohne Zweifel: Wir sind der Boss!"

Die Augen funkelten und sprühten:
"Wer soll euch vor Gefahr behüten,
wenn wir nicht ständig wachsam wären?
Uns sollte man zum Boss erklären!"

Und plötzlich pfiffen auch die Ohren:
"Ohne uns da wär das Gleichgewicht verloren."

Das Herz, die Nieren und die Lunge,
die Nase, Arme als auch Zunge,
ein jeder legte schlüssig dar:
"Das er der Chef vom Ganzen war!"

Bevor man das Streitgespräch erlosch,
furzte jemand: "Hey! -pffftttt-,
Ich bin der Boss!"

Haha, wie alle Körperteile lachten
und bitterböse Späße machten.
Das Arschloch darauf sehr verdrossen,
hat zielbewusst sich fest verschlossen,
es dachte starrsinnig bei sich:
"Die Zeit, sie arbeitet für mich.
Wenn ich mich weigere zu scheißen,
werd‘ ich die Macht schon an mich reißen!"

Schlaff wurden Ohren, Arme, Beine,
die Galle produzierte Steine,
das Herz, es stockte schon bedenklich,
auch das Gehirn fühlte sich leicht kränklich.

Das Arschloch - nicht zu erweichen,
ließ hier und da ein Fürzchen streichen.

Zum Schluss, da sehen‘s alle ein:
Der Boss kann nur das Arschloch sein!

Und die Moral von der Geschicht‘:
"Mit Fleiß und Arbeit schafft man‘s nicht.

Denn warum soll die Ritze schwitzen,
wenn weiter man kommt mit aussitzen.
Um Boss zu werden hilft allein,
ein Arschloch von Format zu sein,
das mit viel Lärm und ungeniert,
nichts als nur Scheiße produziert!"

(Autor nicht eindeutig zu verifizieren)
Joaquin, 6 Oktober 2013 - hat es auf jeden Fall aufgeschrieben

 

So entstand das Arschloch!

Ein Gedicht von Norbert Van Tiggelen

Als der Mensch erschaffen wurd, gab's sofort Zank und Groll;
Die Körperteile stritten sich, wer's Sagen haben soll.

Das Hirn sprach: Leute, ICH werd's sein, denn ICH bin hier der Denker,
die Macht, die hier Befehle gibt, der Weise und der Lenker.

Die Beine sprachen daraufhin: WIR sind die, die euch tragen
von A nach B, wohin ihr wollt, drum sollten WIR es wagen!

Die Augen sagten dann dazu: WIR sind der Körpers Licht,
der Boss zu sein, und das ist Fakt, ist einfach UNSRE Pflicht.

Auch Herz und Lunge schlugen vor, der Chef zu sein sofort.
Da plötzlich kam ein dumpfer Ton -
das Arschloch kam zu Wort.

Auch dieses wollt' der Führer sein, es meint, es wär kein schlechter.
Wen wundert es, das war doch klar, es gab sehr viel Gelächter.

Die andren Körperteile, hört, die kriegten fast das Kotzen.
Denn mit 'nem Arsch als Oberhaupt, da kann man doch nicht protzen!

Das Arschloch war sehr aufgebracht, wie sollt' es anders sein;
es sprach: Na gut, ihr wollt es so - und kniff dann dieses ein.

Das Hirn, es wurde fiebrig, die Augen plötzlich schielten.
Das Gewicht des Körpers - klar - die Beine kaum noch hielten.

Die Hände wurden kraftlos, das Herz, es pochte schwach;
die Lunge pfiff ein Abschiedslied - das war des Arschlochs Rach'.

Von Todesangst getrieben, sprach 's Hirn ein Machtwort aus:
"Du,, Arschloch bist der Boss sofort - bloß lass die Gase raus!"

Das Arschloch ließ ein' fahren, es gab 'ne Explosion,
und flugs, es wurd' geboren ein Mensch mit schlechtem Ton.

Ein Typ, der Seelen ärgert, der schimpft und Böses spricht,
ein jämmerlicher Mistfink, ein kleines armes Licht.

Die Körperteile dienten dem Arschloch bis zum Tod.
Auch wenn es fabrizierte zumeist nur Dunst und Kot.

Und die Moral von der Geschicht‘,
ganz ohne Hinterlist:
Um Chef zu werden reicht es aus,
wenn man ein Arschloch ist!

© Norbert van Tiggelen

 

Kampf der Organe

Als Machtzentrale sieht sich das Gehirn,
dass sich im Kopf versteckt, hinter der Stirn.
Ohne mich könnte der Mensch nicht leben,
denn nur ich
kann die lebensnotwendigen Befehle geben.

Da schreit das Herz voller Entsetzen,
Tag und Nacht bin ich am Hetzen.
Würde ich das Blut nicht laufend treiben,
wo sollte dann der Sauerstoff wohl bleiben.
Ich alleine erhalte den Mensch am Leben,
ohne mich würde es ihn gar nicht geben.

Plötzlich schreit der Magen voller Verdruss,
jetzt ist aber endlich Schluss.
Was bildet ihr euch eigentlich ein,
ihr allein wollt für das Leben verantwortlich sein?
Auch ohne mich könnte der Mensch nicht existieren,
würde ich nicht ständig vorverdaute Nahrung produzieren.

Nun platzt auch noch der Leber der Kragen.
Mich zu vergessen,
das werdet ihr nicht wagen.
Keinen Tag könnte der Mensch nur leben,
würde es mich,
die Entgiftungszentrale nicht geben.

Jetzt quiekt noch die Gallenblase
aus dem letzten Loch.
Habt ihr vergessen, auch mich gibt es noch?
Mein Gallensaft ist auch sehr wichtig,
ohne mich klappt das Leben ebenfalls nicht so richtig.

Da schreit das Herz,
dich braucht es nicht zu geben,
auch ohne Gallenblase bleibt der Mensch am Leben.
Bleibe du also lieber ruhig und still,
weil dein Gemecker niemand hören will.

Was bildet das Herz sich eigentlich ein,
wie kann man nur so eingebildet sein.
Schließlich würde es eine Gallenblase nicht geben,
bräuchte der Mensch sie nicht zum Leben.
Manche Organe sind einfach zu dumm,
ich sage nichts mehr und bin jetzt lieber stumm.

Nun bläst die Lunge sich kräftig auf
und lässt ihrem Ärger freien Lauf.
Ununterbrochen bin ich am pusten,
und werde gequält von schrecklichem Husten.
Frischen Sauerstoff benötigt der Mensch zum Leben
und das Freunde, kann nur ich ihm geben.

Habt ihr eigentlich mal nachgedacht,
was ein Körper wohl ohne Bauchspeicheldrüse macht?
Eine ganze Weile habe ich euch zugehört
und dachte, dass mich das Gezanke nicht stört.
Ich mit meinem Insulin und Verdauungssaft,
gebe allein einem Menschen die wichtige Lebenskraft,
Wie sollte er also leben,
würde es mich, die Bauchspeicheldrüse, nicht geben?

Auch die beiden Nieren
wollen sich im Machtkampf ausprobieren.
Warum gibt es uns wohl immer nur zu Zweit?
Das zeigt wohl deutlich unsere Wichtigkeit.
Täglich müssen das Blut wir reinigen
aber das scheint wohl nicht bekannt bei Einigen?
Stellen wir diese wichtige Arbeit ein,
kann kein Mensch am Leben sein.
Also, tut nicht so geschwollen,
weil auch wir zum Leben verhelfen wollen.

Langsam wälzt sich der Darm hin und her,
mein Gott, was habt ihr es doch schwer.
Auch ich muss mich quälen von früh bis spät,
oder glaubt ihr,
dass die Verdauung von alleine geht.
Alle Funktionen stellen sich ein,
würde ich nicht ständig so fleißig sein.
Diese Arbeit ist manchmal kaum zu schaffen,
da braucht ihr gar nicht so blöde zu gaffen.

Allen hat es die Sprache verschlagen,
keiner traut sich mehr etwas zu sagen.
Nur die Blase kichert vor sich hin,
dieses Gezeter hat doch keinen Sinn.
Ich sammel den Urin Tag und Nacht,
und gebe ihn ab mit viel bedacht.
Wehe ich würde das mal nicht mehr machen,
glaubt mir, ihr hättet nichts zu lachen.

Nur das Arschloch ist laut am Lachen!
Was würdet ihr ohne mich bloß machen?
Bewege ich mich manchmal auch nur auf und zu
und habe zwischendurch sehr viel Ruh.
Doch wehe, ich stelle diese Bewegung ein,
seit gewarnt,
ihr werdet nicht mehr so hochnäsig sein.
Niemand hat mehr Lust zum Scherzen,
denn zu groß werden für alle die unerträgliche Schmerzen.
Hört auf zu Streiten und seht endlich ein,
jedes Organ wird für den Menschen wohl wichtig sein.
Reicht euch die Hände und gebt endlich Ruh,
dann mach ich auch weiter, mit dem Auf und Zu.

Bernd Richter

Versuch, einen Rücktrittswilligen zurückzuhalten. Gescheitert!!!

Hochverehrter Herr FIFA-Präsident,
lieber Josef,
teuerer Sepp,

es ist schon eine unglaubliche Zumutung, die da hereinbricht über Dich , den defensor ludi  beati , den Verteidiger des schönen Spiels. Das ist ein Frontalangriff auf alles Gute im Fußball, das ist ein Angriff auf Dich!

Und wer steckt wieder einmal dahinter? Natürlich die Amerikaner mit dem CIA. Seitdem die gemerkt haben,  dass sie mit ihrem base ball am langen Arm vertrocknen und keine Chance haben gegen die Weltherrschaft von unserem Fußball, laufen die Amok.

Aber lieber Sepp, so leicht wie Bin Laden geben wir uns nicht geschlagen. Die deutsche Verteidigungsministerin hat recht, wir verfügen ausreichend über schießendes Personal.
So leicht wie den Hindukusch erobern sich die Schweizer Berge nun einmal nicht.  

Jetzt schicken sie auch noch ihre Justizministerin an die Front. Eine gewisse Lynch. Lieber Sepp, vor dieser Lynchjustiz brauchst du keine Angst haben! Schließlich bist du die wahre Lichtgestalt des Fußballs, nicht dieser komische Beckenbauer, dieser Halbseidene mit seinen Beraterverträgen. Überhaupt, die Deutschen! Wie war das denn damals beim Sommermärchen? Da ist es bei der Abstimmung auch nur gut gelaufen, weil einer gegangen ist? Jahrelang alles mitmachen und die Schnauze halten und jetzt plötzlich dieser germanische Moralanfall. Aber wenn die Amis pfeifen, dann müssen die halt tanzen. Und die Engländer sowieso. Aber dieser Platini, das ist ein Früchtchen. Jahre, ach was, Jahrzehnte hat er es sich auf deinem Schoß bequem gemacht. Und jetzt will er auf einmal Transparenz und solche Sachen. Die sollen sich beim Radsport mal anschauen, wohin Aufklärung und Transparenz hinführen, oder.

Weißt du, lieber Sepp, warum das jetzt alles auf einmal so hochkocht? Das Geld ist es. Wir haben
1,5 Milliarden Fränkli in der Kriegkasse. Die wollen ran an den Speck, den du der Sau angefüttert hast.
Die FIFA ohne dich wäre doch so dürr  wie die griechischen Staatsfinanzen. Die glauben wirklich, tiki taka sei das non plus ultra im Fußball. Dabei ist der finanzielle Kurzpass, ansatzlos aus dem Fußgelenk über die Kontinente gespielt, viel wichtiger geworden. Und lieber Sepp, wann hättest du dir da je einen Fehlpass erlaubt? Da ist noch immer alles beim Adressaten punktgenau angekommen. Deshalb liegt dir ja die ganze Welt zu Füßen und selbst lupenreine Demokraten ziehen ihren  Hut vor dir. Schließlich wirst du trotz aller Neider sogar die Wüste ergrünen lassen, in Katar. Pass auf, dass du nicht auch noch die Ukraine-Krise managen musst. Wir könnten doch für dich locker eine Rekordablöse z.B. mit der Wallstreet  aushandeln. Dann lernen die Amis endlich mal nachhaltig wirtschaften: Bescheißen könne die auch, aber nur bei Dir  sind die Beschissenen glücklich.   

Es spielt halt im Fußball nicht der Großkotz, sondern der kleine Mann die Hauptrolle. Ich sage nur Maradonna, Messi, Blatter. Die haben nun einmal das bessere feeling für die runden Sachen. Und, ist der Rubel etwa nicht rund? Und dass das Runde ins Eckige muß, also der Ball ins Tor und der Rubel in die Schatulle, ist für einen Kenner der Materie doch nie in Frage gestanden .  Also, lieber Sepp,  halte aus auf deinem einsamen Schweizer  Gipfel und  schaue herab auf die Kleingeister dieses Europas, die für Ihre eigene Rettung vor der Geschäftsschädigung durch ihre „Moral“ nicht die geringste Dankbarkeit empfinden. Schon morgen wirst du mit der Rückgewinnung des Vertrauens in die FIFA ( Finanz-, Intrigen- und Fußball-Agentur) beginnen, und wir wissen ja, ein Morgen hat es immer wieder. Deine Art überlegener  Geschäftsführung, quasi als Libero frei von  Steuern, Gesetzen,  Kontrolle und Anstand, wird dereinst unter dem Ehrentitel „blattern“ in allen Sprachen der Welt eingehen.

 Lieber Sepp, wir bitten dich, blattere weiter in Ewigkeit odr!

Übereinstimmungen mit anderen Personen sind rein zufällig und bestimmt hier nicht beabsichtigt.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

 

Wer anderer Menschen Interessen vertreten will, und dies mit Nachdruck, der achte tunlichst darauf – Masse ist Macht -  eine kritische Größe nicht zu unterschreiten. So ist und war zu allen Zeiten das Interesse der Gewerkschaften an Wachstum eine Überlebensfrage. Die deutschen Gewerkschaften haben deshalb einen veritablen Prozess von Zusammenschlüssen hinter sich gebracht und durften hoffen, sich so für die Zukunft gut aufgestellt zu haben.

Jedoch, die Wirklichkeit verweigert die Fusionsrendite: sinkende Mitgliederzahlen und eine nun nicht mehr leugbare Auflösungstendenz der Tarif-Szene zeigen auf Risse im System.

Da man ehemalige und potentielle Mitglieder im Ganzen nicht gut beschimpfen kann, entleert sich der Schimpf jetzt Kübelweise über die Abtrünnigen, die ohne Rücksicht auf die heilige Generallinie als kleine Gruppe ihre Interessen durchsetzen wollen. Aber auch wenn man zurzeit anstelle der Sympathie eines Asterix nur Groll und grobe Worte erntet, der kleinen gallischen Dörfer werden immer mehr: Pilotenvereinigung Cockpit, Fluglotsen, Marburger Bund und jetzt auch noch das Grüppchen aller fleischgewordener Jungenträume, die Lokführer! Dementsprechend grob wird ihnen auch ihre „Verletzung der Solidarität“ um die Ohren gehauen und man munkelt, in unserer guten, alten Tarifunion sei gar das böse Wort Ausschlussverfahren gefallen.

Ist er also ein böser Mensch, der GDL-Lokführer und sein Vorsitzender der tarifpolitische Antichrist?

Vor diesem Urteil müssen ein paar Gedanken erlaubt sein:

Wenn das in der Öffentlichkeit kursierende Einkommen eines Lokführers auch nur annähernd stimmt, muss man fragen, ob das gerechter Lohn ist für die abverlangte Leistung und Verantwortung.

Natürlich nicht!!! Und eine bescheidene lineare Anhebung, wie von den Schwestergewerkschaften erreicht, ändert daran nichts. Vor diesem Hintergrund wird die böse Tat zur reinen Notwehr. Dies ist kein Freibrief für jedwede Rücksichtslosigkeit beteiligter Akteure, aber muss nicht jeder notgedrungen mein Feind werden, wenn ich ihm nicht erlauben will, seine ureigensten Interessen zu verfolgen?

Hat wirklich die große Gewerkschaft noch eine Vorstellung davon, wo den einzelnen der Schuh am meisten drückt? In einer Arbeitswelt, wo Spezialisierung und Differenzierung die Unübersichtlichkeit zum Normalfall hat werden lassen, kann kein großer Verband die jeweilige Situation der kleinen Gruppe im Auge behalten, geschweige denn ihr „gerecht“ werden. So summieren sich im Laufe der Jahre die „Kleinigkeiten“ zu großen Defiziten, der Druck im Kessel steigt bis zur Explosion des Tarifgefüges. Jenseits des momentanen Ärgernisses zeigt sich das grundsätzliche Problem:

Wie sollen die Gewerkschaften den Spagat hinbekommen zwischen notwendiger Massenbewegung einerseits und der fairen Würdigung von berechtigten Gruppeninteressen einer differenzierten Arbeitswelt andererseits? Grundsätzlich bestand dieser Gegensatz natürlich schon immer, aber in unserer früher homogeneren Gesellschaft nie in dieser Virulenz. Unsere gewerkschaftlichen Großorganisationen haben dafür noch keine schlüssige Lösung. Die so sinkende Identifikation führt zum Mitgliederschwund und mangelnde Teilhabe zur tariflichen Aufsplitterung.

Die Freude der Arbeitgeber über unseren Streit war ursprünglich keineswegs nur klammheimlich und das „teile und herrsche“-Prinzip kam denn auch (im Krankenhaus) gleich zur Anwendung (und wir haben dabei auch noch mitgemacht!). Aber gar nicht erstaunlich, gilt bei den Bossen der Flächentarifvertrag nun plötzlich wieder etwas, weil jede Spezialistengruppe den Gesamtbetrieb lahm legen kann, und Ritter Mehdorn kämpft tapfer für die ehedem gerne mal gescholtene Sache. Das sind nun die Sorgen der Arbeitgeber – aber was sollen wir tun?

Die Massenorganisation aufgeben, wo doch Zahl und Solidarität unsere besten Trümpfe waren?

Die kleinen Interessengruppen weiterhin bis zur Unkenntlichkeit in das große Ganze eingliedern und tapfer weiter marschieren und so tun, als ob uns dabei die Truppe nicht peu a peu abhandenkäme?

Das eine wie das andere kann nicht zum Erfolg führen. Wie also das Kleine und das Große miteinander in Einklang bringen?

Wenn man nicht mehr weiter weiß, dann hilft manchmal miteinander zu reden und so findet man schon die halbe Lösung: das Gespräch, die gegenseitige Information, den Austausch. Wer miteinander spricht trennt sich erst später. Wir müssen eine intensivere Kommunikation mit denen in Gang setzen, die unmittelbar vom Tarifgeschehen betroffen sind. Das kann mühsamer sein als über den Dingen schwebend die Richtung vorzugeben, aber die vielen kleinen Schultern, die das Ganze tragen müssen integriert werden. Man verhandle also nie einen Tarifvertrag über Lokführer ohne Lokführer. Das ist sicher leichter gesagt als getan, man kann ja nicht bei fünfzig Berufsgruppen mit fünfzig Delegationsmitgliedern an den Verhandlungstisch gehen. Praktisch nicht umsetzbar. Aber unsere Verhandlungsführer müssen vor Beginn schon wissen, was für welche Gruppe welchen Stellenwert hat. Die Diskussion muss also vor der Tarifverhandlung stattfinden und abgeschlossen sein. Das erfordert eine hohe Kommunikationsleistung bei Befragung und Repräsentanz der Berufsgruppen, Wertung der Interessen und Festlegung der Ziele.

Der Interessenausgleich muss aber innerhalb der Gewerkschaften stattfinden, wenn man nach Draußen einig und stark sein will.

Wie wäre ein solcher Kraftakt zu meistern, welchen organisatorischen Riesenaufwand müsste man hierzu treiben? Noch stehen die Gewerkschaften bei dieser Frage im Regen, und wir von der Tarifunion stehen dabei und werden nass wie alle anderen. Dabei haben wir den Regenschirm unterm Arm ohne es zu merken. Von unseren Altvorderen haben wir die „moderne“ Organisationsform schon vererbt bekommen: viele kleine, überschaubare Organisationseinheiten (Nähe ist unsere Stärke) unter einem großen Dach, der Tarifunion. Gelänge es, den Informationsfluss zu sichern und die Interessen untereinander fair auszutarieren, könnte die Konzernmutter Tarifunion mit ihrer gesamten Masse auf der Waagschale auch der kleinen Gruppe Gewicht geben.

Goethe empfahl, das ererbte neu zu erwerben. Ob der alte Weimaraner nicht auch in unsrem Fall Recht hätte?

Dr. H. Blöchl