Erfahrungsbericht zum 3. Forum Behindertenpolitik

Am 28. und 29.04.2015 besuchte unser Mitglied und Ansprechpartner für Schwerbehindertenfragen das dbb Forum in Berlin zur Behindertenpolitik. Er hat hierüber einen Erfahrungsbericht geschrieben, den Sie im nachfolgenden PDF gerne lesen können.

Betroffen, kompetent, nah dran

Da ich selbst schwerbehindert bin, möchte ich mich im Bereich der Menschen mit physischen und psychischen Leistungseinschränkungen – sprich körperlichen Einschränkungen - engagieren. Ich spreche bewusst nicht von schwerbehinderten Menschen, sondern von Menschen mit einer körperlichen Einschränkung oder einem Handicap.

Damit Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben, hier mein kleiner persönlicher Steckbrief:

  • Vater zweier Töchter, lebe in eheähnlicher  Gemeinschaft, 47 Jahre alt
  • Tätig bei 27 – Zentrales Vergabeamt -
  • Engagiere mich im Bereich der Schwerbehindertenvertretung der Stadt Köln
  • Seit einigen Jahren widme ich mich dem Thema Menschen mit einem Handicap

 

Da ich selbst gehandicapt bin, kann ich mich in die Situation der Betroffenen hineinversetzen. Deshalb möchte ich mich bei der komba mit diesem Thema beschäftigen und auseinandersetzen. In der Vergangenheit stand dieses Thema leider nur selten im Focus. Das lag nicht daran, dass dieses Thema für uns nicht interessant und auch prägnant ist, sondern an den komplexen Zusammenhängen. Ich möchte mich nunmehr dieser Thematik annehmen und sie Ihnen als komba Mitglieder etwas näher bringen.

In einer Zeit, in der alles immer höher, schneller und weiter gehn muss, gelangen wir alle oft an unsere Grenzen der Belastbarkeit. Mit dieser Entwicklung geht auch die Gefahr der körperlichen Belastung und Überbelastung einher. Es treten vermehrt Krankheiten auf, die dann zu einem chronischen Dauerzustand führen können. Menschen, die mit einem Handicap geboren sind, können besser mit dieser Situation umgehen, als die Menschen, die erst später durch eine Krankheit davon betroffen sind. Oft sind es die kleinen Dinge des täglichen Lebens, die dann zu enormen Herausforderungen für die Betroffenen werden. Im Berufsleben hat der Mensch immer funktioniert, doch mit dem Eintritt der körperlichen Einschränkung funktioniert er  nicht mehr wie erwartet. Außenstehende wissen oft nichts von der Einschränkung und/oder können dieses Handicap des Betroffenen nicht nachvollziehen. Darin sehe ich einen wichtigen Ansatz:  Außenstehende sollten mehr für die Belange der Menschen mit einem Handicap sensibilisiert werden. Inklusion bedeutet nicht nur, dass z. B. eine Auffahrrampe oder eine behindertengerechte Toilette vorhanden sind. Inklusion beinhaltet vielmehr, dass z. B. Betroffene mit einem Handicap in der Kita, in der Schule und auch im Berufsleben ohne große Anstrengungen mit gesunden Menschen zusammen lernen und arbeiten können. In der heutigen Zeit ist es oft so, dass Menschen mit einer körperlichen Einschränkung große Schwierigkeiten in allen Lebenslagen haben, da die vorhandenen Hindernisse und Barrieren nicht abgebaut werden.

Menschen mit einer körperlichen Einschränkung sind nicht behindert, sondern sie werden tagtäglich behindert!

Dies zeigt sich sehr häufig in nicht barrierefreien Zugängen zu Gebäuden und Einrichtungen, der Nichtanerkennung und Würdigung ihrer Leistungen im Berufsleben oder auch bei Aktivitäten in der Freizeit. Ich möchte gerne etwas in den Köpfen der gesunden Menschen bewirken und sie auch für dieses Thema sensibilisieren. Denn nur gemeinsam sind wir stark und können die Probleme des täglichen Miteinanders besser bewältigen, Alternativen aufzeigen und Veränderungen herbeiführen. Die Gewerkschaft bietet auch uns Betroffenen die Möglichkeit, sich dieses Thema anzunehmen und sich für Veränderungen stark zu machen. Oft sind es die Barrieren in den Köpfen der gesunden Menschen, die unsere Arbeit behindern!

Das Thema ‘‘Menschen mit einer körperlichen Einschränkung‘‘ liegt mir sehr am Herzen.
Ich möchte Ansprechpartner für dieses Thema sein, nehme gerne Anregungen an und würde mich freuen, wenn Sie mich bei meiner Arbeit unterstützen würden. Nicht alle Probleme sind lösbar, aber gemeinsam können wir positive Veränderungen erzielen. Für eine starke Gewerkschaft sind wir auf alle Mitglieder angewiesen, da jeder Mensch Stärken hat, die er für die Gemeinschaft einbringen kann.

Ihr
Olaf Naase
Mitglied der Schwerbehindertenvertretung der Stadt Köln

Schwerbehindertenrecht

Die Bundesleitung des dbb hat eine Zusammenstellung der wichtigsten Entscheidungen zum Recht der schwerbehinderten Menschen veröffentlicht

 

 

Ansprechpartner

Olaf Naase
0221-221-26890
olaf.naase@stadt-koeln.de