Das ist doch nur etwas für Beamte.

Diesen Spruch hört man immer wieder. Er ist ein frommes verdi-Märchen. Seit 1920 werden bei der komba gewerkschaft Angestellte, und seit 1975 Arbeiter organisiert. Mit steigender Tendenz, denn der Arbeitnehmeranteil liegt inzwischen bei 60 % aller Mitglieder.

Entsprechend nehmen tarifpolitische Gestaltungen ein breites Spektrum unserer Gewerkschaftsarbeit ein. Die Realität bei Tarifverhandlungen sieht zum Beispiel so aus: Im Angestelltenbereich ist die dbb tarifunion neben der verdi gleichberechtigter Verhandlungspartner von Bund, Ländern und Gemeinden. Die Verhandlungen fanden zwar nicht am gleichen Tisch, aber am selben Tag, am selben Ort und mit denselben Arbeitgebervertretern statt. Und seit 2007 soll eine verstärkte tarifpolitische Zusammenarbeit in den entscheidenden Verhandlung  auch gemeinsam an einem Tisch stattfinden. Es kommt kein Tarifabschluß zustande, bevor nicht beide gewerkschaftlichen Organisationen zugestimmt haben. Soviel zu Tarifverhandlungen. Und da wir gerade dabei sind, räumen wir noch mit anderen Vorurteilen auf.

„...aber in unserer Verwaltung dominiert die verdi“


Stimmt in Köln nur begrenzt. In dem für Einstellungen und Personalfragen sowie Organisationsfragen entscheidenden Dezernat OB/I/II/III verfügen wir über eine satte Mehrheit. Auch wenn es anderswo nicht so ist: Im Regelfall werden sich Vorgesetzte und Personalratsmitglieder hüten, anders organisierte Beschäftigte zu benachteiligen. Sie wissen, daß wir - wenn es beweisbar wird - sofort die rechtlichen und politischen Konsequenzen ziehen. Außerdem: Je stärker wir sind, desto weniger zieht dieses Argument. Und schließlich: Nur wenn sich alle zu ihrer Überzeugung bekennen, kann unzulässigen Beeinflussungen Einhalt geboten werden.

„...Ihr seid gegen das Streikrecht“

 

Stimmt. Wir sind gegen das Streikrecht für Beamte. Im Tarifbereich bejahen wir den Streik als letztes Mittel in der Auseinandersetzung. Wenn uns unsere Mitglieder in einer Urabstimmung dazu ermächtigen, ergreifen wir Arbeitskampfmaßnahmen für Arbeitnehmer und zahlen selbstverständlich auch Streikgelder - wie im Arbeitskampf 1992.

Und Übrigens: Wir zahlen Streikgeld auch bei Warnstreiks - wenn es zu Lohnkürzungen der Arbeitgeber kommt, denn auch bei kurzfristigen Arbeitsniederlegungen hat der Beschäftigte wirtschaftlichen Schaden den wir ausgleichen.

„...Durch Konkurrenz der Gewerkschaften wird das Arbeitnehmerlager geschwächt“

 

Falsch. Das Gegenteil ist richtig. Wenn starke gewerkschaftliche Alternativen vorhanden sind, zwingt Konkurrenz dazu, ständig möglichst gute Leistung zu bringen. Ein "Ausruhen auf Lorbeeren" gibt es nicht. Die Gefahr der "Kungelei" wird geringer. Die ständige Auseinandersetzung zwingt außerdem dazu, über Ziele und Wege nachzudenken. Ein Vorteil für Mitglieder und Beschäftigte.

„...Was soll ich als Beamter in der Gewerkschaft?“

 

Gerade die Interessen der Beamten bedürfen einer starken politischen Vertretung. Unsere Interessenvertretung für Beamte ist auch ohne Streikrecht wirkungsvoll, dafür gibt es genügend Beispiele. Viele Erfolge für den Öffentlichen Dienst wurden erst im Beamtenbereich erzielt und später in den Tarifbereich übernommen. Zu Zeiten knappen Geldes gilt es natürlich das "Schlimmste" zu verhindern. Es kommt nicht von ungefähr, daß die Medien "den Beamten" laufend eine außerordentlich starke, erfolgreiche Lobby bescheinigen. Als Interessenvertretung Nummer 1 gilt nach wie vor der Beamtenbund. Auch wenn manche Kürzung droht, Vieles wird schon im Vorfeld durch entsprechende Einflußnahme verhindert.

„... Ihr habt die Sonderopfer des Öffentlichen Dienstes nicht verhindert“

 

Leider nicht alle, das ist richtig. Das konnten aber auch andere nicht. So schmerzhaft die Eingriffe auch waren und sind: Wir konnten eine Reihe von weiteren beabsichtigten Sparmaßnahmen verhindern. Und schließlich: Je mehr Beschäftigte sich zu uns bekennen, desto eher wird es möglich sein, nach und nach die Benachteiligungen rückgängig zu machen, vor allem aber auch Schlimmeres zu verhindern. Diejenigen, die abseits stehen, tragen nichts dazu bei und leben zum Teil auf Kosten der Kolleginnen und Kollegen.

Auch für Angestelle und Arbeiter:

  • seit 1920 Organisation von Angestellten
  • seit 1975 Organisation von Arbeitern
  • 2007: der Arbeitnehmeranteil macht mehr als 60 % aller Mitglieder aus